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Im 15. Jahrhundert war Brügge eine der reichsten Städte Europas. Die Herzöge von Burgund residierten hier, italienische Bankiers und deutsche Kaufleute machten hier Geschäfte, und Maler wie Jan van Eyck und Hans Memling arbeiteten hier. Dieser Rundgang durch das Goldene Zeitalter folgt ihren Spuren: Paläste, Kaufmannshäuser, der Platz, der der Welt das Wort „Börse” schenkte, und die Gassen, in denen die flämischen Meister lebten.

Dies ist Rundgang 2 unserer 4 kostenlosen Stadtrundgänge in Brügge.

Der Rundgang im Überblick

Strecke Etwa 5 km
Dauer Etwa 3 Stunden mit kurzen Stopps
Start Innenhof des Gruuthuse-Palasts (neben der Liebfrauenkirche)
Ziel St.-Salvator-Kathedrale
Ideal für Geschichts- und Kunstfans, einen zweiten Tag in Brügge, Regentage (viele Stopps drinnen)

Warum war Brügge so reich?

1369 heiratete Herzog Philipp der Kühne von Burgund Margarete, die Erbin des Grafen von Flandern. Als ihr Vater 1384 starb, fiel Flandern an Burgund. Der burgundische Hof liebte Brügge, und der Reichtum folgte: Adlige bauten Stadtpaläste, Kaufleute aus ganz Europa eröffneten Kontore, und die Stadt wurde ein Zentrum für Luxusgüter – Wandteppiche, Diamanten, illuminierte Handschriften und Gemälde. Um 1500 war alles vorbei: Der Hafen versandete, und der Handel zog nach Antwerpen. Genau deshalb ist so viel vom mittelalterlichen Brügge erhalten geblieben.

Der Rundgang durch das Goldene Zeitalter: 20 Stationen

1. Innenhof des Gruuthuse-Palasts

Die Familie Gruuthuse wurde reich durch das Monopol auf Grut, die Kräutermischung zum Würzen von Bier – und im Mittelalter war Bier sicherer als Grachtenwasser. Über dem Tor steht das Motto von Ludwig von Gruuthuse: „Plus est en vous” – „In Ihnen steckt mehr, als Sie denken”. Der Palast ist heute ein Museum über 500 Jahre Brügger Geschichte.

2. Hof Arents

In diesem kleinen Park stehen zwei Steinsäulen: die letzten Reste der Wasserhallen, einer riesigen überdachten Markthalle neben dem Marktplatz, in die Schiffe zum Be- und Entladen einfuhren.

3. Groeningemuseum

Die Heimat der flämischen Primitiven. Jan van Eyck perfektionierte hier die Ölmalerei, die seinen Werken ihre unglaubliche Detailtreue und Farbkraft verlieh. Verpassen Sie nicht seine Porträts und die Werke von Memling und Gerard David.

4. Dijver

Diese Gracht gehörte zur ersten Stadtbefestigung, die nach der Ermordung von Graf Karl dem Guten 1127 angelegt wurde. Wasser war alles für Brügge: Es schützte die Stadt und verband sie über Gezeitenrinnen mit der Nordsee. Schiffe brachten Wolle, Wein, Gewürze und Pelze; sie fuhren mit Tuch, Diamanten, Wandteppichen und Gemälden wieder ab.

5. Hof van Watervliet

Ein burgundisches Stadthaus aus dem 15. Jahrhundert in einer der ältesten Straßen Brügges, gebaut für die Adelsfamilie De Baenst, Freunde der Familien Gruuthuse und Adornes. Gehen Sie durch das Tor zum Innenhof mit der offenen Galerie.

6. Marktplatz

Das Handelszentrum der Stadt seit dem 12. Jahrhundert. Unter dem Belfried standen einst über 380 Marktstände. Schauen Sie auf das Haus Bouchoute an der Ecke: Die goldene Kugel auf dem Dach und die kupferne „Mittagslinie” auf dem Platz zeigten ab 1837 die genaue Ortszeit an – nötig, als die Eisenbahn kam.

7. Die verschwundene St.-Donatian-Kathedrale (Burgplatz)

Gegenüber dem Rathaus stand einst die wichtigste Kirche der Stadt. Graf Karl der Gute wurde hier 1127 ermordet, Jan van Eyck hier begraben, und rundherum arbeiteten Dutzende Kopisten, Buchmaler und Buchhändler. Französische Revolutionäre rissen sie Ende des 18. Jahrhunderts ab. Das Pflaster unter den Bäumen zeigt noch, wo sie stand.

8. Eiermarkt

Früher Markt für Butter, Käse und Eier, heute ein lebhafter Ausgehtreffpunkt. Die Wasserpumpe aus dem 18. Jahrhundert erinnert daran, dass Bleirohre schon ab dem späten 13. Jahrhundert frisches Wasser in die Stadt brachten – manche waren bis 1925 in Betrieb.

9. Vlamingstraat

Die belebteste Einkaufsstraße des mittelalterlichen Brügge, voller Weinschenken mit tiefen Kellern. Unter mittelalterlichen Gewölben trinken kann man noch in der Taverne Curiosa und im ‘t Poatersgat, und in der nahen Kuipersstraat im Le Trappiste.

10. Jan-van-Eyck-Platz

Das alte Hafenviertel – das „burgundische Manhattan”. Sehen Sie das Zollhaus, in dem Kaufleute Abgaben auf ausländische Waren zahlten, das winzige Haus, in dem die Hafenarbeiter eingeteilt wurden, und die Bürgerloge, den eleganten Club reicher Bürger. Suchen Sie den Brügger Bären in einer Mauernische um die Ecke.

Süßer Abstecher: Unser Schokoladenworkshop ist nur zwei Minuten entfernt, Sint-Annarei 17.

11. Woensdagmarkt (Mittwochsmarkt)

Eine Statue von Hans Memling, dem bestbezahlten Maler seiner Zeit, steht dort, wo früher mittwochs Holzkohle verkauft wurde. Er wohnte ganz in der Nähe im Malerviertel.

12. Oosterlingenplein

Der Stützpunkt der deutschen Hanse, eines Handelsnetzes von über zweihundert Städten. Ihr Nationenhaus war so prächtig, dass es zu den „Sieben Wundern von Brügge” zählte. Nur ein kleiner Teil ist erhalten, neben dem Hotel Bryghia.

13. Das Sankt-Gilles-Viertel

Das Künstlerviertel. Van Eyck hatte hier sein Atelier, und Memling wohnte in der Sint-Jorisstraat. Im 15. Jahrhundert war das Viertel voller Gasthäuser und Badestuben; heute ist es einer der ruhigsten Teile der Stadt.

14. St.-Gilles-Kirche

Eine Dorfkirche mitten in der Stadt, mit einem seltenen hölzernen Tonnengewölbe. Hans Memling und andere berühmte Maler wurden hier begraben, auch wenn ihre Gräber verschwunden sind.

15. Augustinerbrücke

Eine der ältesten Brücken Brügges (1391). Spanische Kaufleute wohnten in der Nähe und entluden ihre Wolle am nahen Spanischen Kai.

16. Alter Börsenplatz

Hier, vor dem Gasthaus der Familie Van der Beurse, trafen sich Kaufleute ab dem 14. Jahrhundert, um zu handeln und Geld zu wechseln. „Zur Beurse gehen” wurde in vielen Sprachen zum Wort für Börse. Rund um den Platz sieht man noch die Nationenhäuser von Genua, Florenz und Venedig.

17. Hof Bladelin

Der Palast von Pieter Bladelin, Schatzmeister des Ordens vom Goldenen Vlies, später eine Filiale der Medici-Bank aus Florenz. Im Innenhof sehen Sie Porträtmedaillons von Lorenzo de’ Medici und seiner Frau.

18. St.-Jakobs-Kirche

Die Pfarrkirche der burgundischen Elite, voller Grabkunst, kupferner Grabplatten (eine Brügger Spezialität) und Gemälde flämischer Primitiver.

19. Prinsenhof (Prinzenhof)

Der Lieblingspalast der Herzöge von Burgund, einst siebenmal größer als heute, mit Gärten, Tiergehege und riesiger Badestube. Philipp der Gute und Maria von Burgund starben beide hier. Heute ist er ein Luxushotel.

20. St.-Salvator-Kathedrale

1478 versammelten sich hier die Ritter vom Goldenen Vlies unter Maximilian von Österreich. Ihre Wappen hängen noch über dem gotischen Chorgestühl. Die Schatzkammer bewahrt das älteste Gemälde Brügges (um 1400).

Temperiermaschine mit belgischer Schokolade auf einem Workshoptisch
Jeder Gast hat seine eigene Schmelzstation

Burgundischer Lebensstil zum Probieren

Die Burgunder liebten Luxus – und nichts steht so sehr für belgischen Luxus wie handgemachte Schokolade. Auf halber Strecke, am Jan-van-Eyck-Platz, sind Sie zwei Minuten von unserem Workshop an der Sint-Annarei 17 entfernt. In etwa 2 Stunden temperieren Sie belgische Schokolade, stellen Ihre eigenen Pralinen und Mendiants her und nehmen 27 handgemachte Schokoladen mit nach Hause.

Schokoladenworkshop buchen

Schon gewusst?

  • Schwäne als Strafe: Der Legende nach mussten die Brügger für immer Schwäne auf den Grachten halten, nachdem sie Maximilian von Österreich gefangen gehalten und seinen Berater Pieter Lanchals („Langhals”) hingerichtet hatten.
  • Der erste Diamant-Verlobungsring: 1477 schenkte Maximilian Maria von Burgund einen Ring mit Diamanten in Form eines M – oft als erster Diamant-Verlobungsring der Geschichte bezeichnet.
  • Der Goldene Baum: 1468 veranstaltete Brügge zur Hochzeit von Karl dem Kühnen und Margarete von York ein einwöchiges Ritterturnier. Der Festumzug des Goldenen Baums erinnert noch daran.

Ihr Fahrplan für Brügge

  1. Rundgang 1 – Die Highlights
  2. Rundgang 2 – Burgundisches Brügge (Sie sind hier)
  3. Rundgang 3 – Ruhiges Sankt-Anna-Viertel & Geheimtipps
  4. Rundgang 4 – Modernes Brügge

Alle Stationen der 4 Rundgänge ansehen →

Häufige Fragen

Kann ich diesen Rundgang am selben Tag wie die klassische Route machen?

Besser an einem zweiten Tag. Kombinieren Sie unsere Route für Brügge an einem Tag an Tag 1 mit diesem Rundgang an Tag 2.

Welche Stationen sind drinnen?

Gruuthusemuseum, Groeningemuseum, St.-Gilles-Kirche, St.-Jakobs-Kirche und St.-Salvator-Kathedrale – und die Kellerschenken in der Vlamingstraat.

Kann ich den Rundgang abkürzen?

Ja. Beenden Sie ihn nach dem Jan-van-Eyck-Platz (etwa die Hälfte) oder lassen Sie die Schleife durch Sankt Gilles aus.